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  • AutorenbildRichard Krauss

Empathiefalle: Die Gefahr der populistischen Heilsversprechen

Rechtspopulistische Parteien erstarken in vielen europäischen Ländern. Der Psychiater und Stressforscher Prof. Dr. Mazda Adli erklärt, dass die Verkettung globaler Krisen und deren mediale Vermittlung in Echtzeit die Menschen unter erheblichen Stress setzt. Die ständige Konfrontation mit schlechten Nachrichten führt zu einer allgemeinen Angst, die nicht immer rational ist, sich aber schnell verbreiten kann.



Der Psychiater und Stressforscher Prof. Dr. Mazda Adli erklärt, dass die Verkettung globaler Krisen und deren mediale Vermittlung in Echtzeit die Menschen unter erheblichen Stress setzt. Die ständige Konfrontation mit schlechten Nachrichten führt zu einer allgemeinen Angst, die nicht immer rational ist, sich aber schnell verbreiten kann. Diese Angst betrifft die Zukunft, die eigene Existenz und den sozialen Status.


Studien aus der Emotionsforschung zeigen, dass Angst sich auch ohne reale Bedrohung rasch ausbreiten kann, besonders wenn die Menschen emotional erschöpft sind. Diese ständige Belastung führt dazu, dass Gesellschaften insgesamt ängstlicher werden. In solchen Zeiten tritt das Phänomen der „Zentralisierung“ auf:


Gesellschaften wenden sich nach innen, schotten sich ab und entwickeln einen Scheuklappenblick. Dies beeinträchtigt das rationale Denken und macht die Menschen anfälliger für populistische Botschaften, die einfache Lösungen versprechen.


Populistische Parteien nutzen diese Ängste, indem sie strategische Empathie vortäuschen. Sie tun so, als würden sie die Sorgen der Menschen verstehen, und integrieren diese Ängste in ihre polarisierenden Botschaften. Dies vermittelt den Menschen das Gefühl, verstanden zu werden, und macht sie anfällig für die „empathische Falle“ der Populisten. Während diese Art von Stress nicht allein den Zulauf zu populistischen Parteien erklärt, erhöht sie die Anfälligkeit für deren Heilsversprechen.


Prof. Adli betont die Wichtigkeit der Selbstwahrnehmung in stressigen Zeiten. Wenn Menschen ihre Ängste erkennen und darüber sprechen, können sie sich besser gegen den Missbrauch dieser Gefühle schützen. Es ist jedoch schwierig, da Angst oft einen Tunnelblick verursacht und die Betroffenen schwer erreichbar macht.


Demokratische Parteien haben die Möglichkeit, auf diese emotionalen Bedürfnisse einzugehen, was bisher oft vernachlässigt wurde. Es wäre wichtig, klar anzuerkennen, dass die Zeiten schwierig sind, und den Menschen das Gefühl zu geben, verstanden zu werden. Emotionen machen uns menschlich, aber sie sind auch eine Schwachstelle, die uns manipulierbar macht.

Eine Gesellschaft in Angst ist ein gefundenes Fressen für populistische Akteure, wie die Geschichte zeigt. Die Verbindung von Ideologie, Emotion und Manipulation kann die moralische Ordnung einer Gesellschaft zerstören.


Prof. Dr. Mazda Adli ist Psychiater und Stressforscher. Er ist Chefarzt der Fliedner Klinik Berlin und Leiter des Forschungsbereichs Affektive Störungen der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité in Berlin. Er beschäftigt sich intensiv mit den Auswirkungen von Stress auf die psychische Gesundheit und ist ein gefragter Experte für die Wechselwirkungen zwischen globalen Krisen, Medien und gesellschaftlicher Angst.


Quellenhinweise:

Die Informationen in diesem Text wurden aus verschiedenen Quellen zusammengestellt. Eine Analyse des Pew Research Center dokumentiert den Anstieg der Stimmenanteile populistischer Parteien in Europa. Der Bericht „The Populist Wave and Polarisation in Europe in 2024“ von Solace Global untersucht die populistische Welle und die Polarisierung in Europa. Ein Rückblick auf das populistische Jahr 2023 wird im Bericht „Populism in 2023: The Year in Review“ des ECPS gegeben. Die London School of Economics analysiert in ihrem Bericht „Understanding right-wing populism and what to do about it“ das Phänomen des Rechtspopulismus und mögliche Gegenstrategien. Ergänzende Quelle: MOTRA-Monitor 2021



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