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Tausende Haushalte in Berlin nach Sabotage ohne Strom

  • Autorenbild: Richard Krauss
    Richard Krauss
  • 9. Sept. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Berlin (emet-news-press) – In der Nacht zum Dienstag ist es im Südosten Berlins zu einem großflächigen Stromausfall gekommen. Gegen 3:30 Uhr meldeten Anwohner Flammen an zwei Hochspannungsmasten im Bereich Königsheider Weg in Johannisthal. Die Feuerwehr löschte den Brand innerhalb einer Stunde. Beide Masten waren Übergangspunkte zwischen oberirdischen Leitungen und unterirdischen Kabeln.


Symbolbild: Hochspannungsleitung
Symbolbild: Hochspannungsleitung

Nach Angaben der Polizei handelt es sich um vorsätzliche Brandstiftung. Der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz des Landeskriminalamts übernahm die Ermittlungen. Spezialisten der Kriminaltechnik sicherten Spuren am Tatort. Dazu gehörten Reste von Brandbeschleunigern und eine Metallkette, die in unmittelbarer Nähe gefunden wurde. Das Waldgebiet rund um die Masten wurde weiträumig abgesperrt.


Die Folgen des Vorfalls waren umfangreich. Rund 43.000 Haushalte, 3.000 Betriebe sowie mehrere Pflegeheime waren stundenlang ohne Strom. Auch Einrichtungen der öffentlichen Infrastruktur waren betroffen. Polizeiwachen, Feuerwachen und einzelne Funkmasten für den Digitalfunk konnten zeitweise nicht betrieben werden. Der Netzbetreiber Stromnetz Berlin leitete umgehend Maßnahmen ein, um Teile des Netzes über alternative Leitungen zu versorgen.


Der Ausfall führte zu erheblichen Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr. Mehrere S-Bahn-Linien stellten den Betrieb ein, Straßenbahnen blieben stehen, Ampelanlagen fielen aus. Polizisten regelten den Verkehr an Kreuzungen. Fahrgastinformationen auf Bahnhöfen waren außer Betrieb, ebenso Ticketautomaten. Betroffen waren unter anderem die Linien S8, S9, S45, S46, S47 und S85.


Auch die Notrufnummern 110 und 112 waren in Teilen der betroffenen Stadtgebiete nicht erreichbar. Betroffen waren Alt-Glienicke, Grünau, Adlershof, Spindlersfeld, Johannisthal, Oberschöneweide, Rudow und Niederschönweide. Polizei und Feuerwehr richteten mobile Anlaufstellen ein. Zusätzlich wurden Einsatzfahrzeuge in den Stadtteilen positioniert, um Notrufe unmittelbar aufnehmen zu können.


In Pflegeheimen mussten Patientinnen und Patienten verlegt werden, die auf Beatmungsgeräte angewiesen waren. In einem Heim in Alt-Glienicke wurden vier Menschen in Krankenhäuser gebracht. In Niederschöneweide wurde eine weitere Person evakuiert. Die Geräte zur Notstromversorgung reichten nur für kurze Zeit aus, weshalb die Verlegung sofort notwendig wurde.


Bis zum späten Vormittag konnten etwa 15.000 Haushalte wieder an das Netz angeschlossen werden. Techniker schalteten hierfür Leitungen um, um eine Teilversorgung zu ermöglichen. In Adlershof wurde die Stromversorgung gegen Mittag wiederhergestellt. Der Netzbetreiber teilte mit, dass die vollständige Behebung des Schadens erst nach Abschluss kriminaltechnischer Untersuchungen erfolgen könne. Nach aktueller Planung kann sich die Wiederherstellung bis Mittwoch oder Donnerstag hinziehen.


Parallel zu den Reparaturarbeiten laufen die Ermittlungen. Das Landeskriminalamt wertet die gesicherten Spuren aus. Untersucht werden Rückstände an den Masten, die Zusammensetzung der eingesetzten Brandstoffe und die Herkunft der Metallkette.


Unklar ist, ob die Täter als Einzelpersonen oder im Rahmen einer Gruppierung handelten. Der Verfassungsschutz prüft mögliche politische Hintergründe.

Im Internet ist ein Bekennerschreiben veröffentlicht worden. Darin bekennt sich eine Gruppierung, die sich als anarchistisch bezeichnet, zu der Tat. In dem Schreiben wird der Angriff auf die Stromversorgung als Kampf gegen den militärisch-industriellen Komplex dargestellt. Die Polizei prüft die Authentizität des Schreibens. Ermittler sehen Parallelen zu früheren Anschlägen linksextremistischer Gruppen auf Energieinfrastruktur.


Ein vergleichbarer Vorfall ereignete sich im März 2024 in Brandenburg. Damals war ein Hochspannungsmast in der Nähe der Tesla-Fabrik in Grünheide in Brand gesetzt worden. Das Werk musste mehrere Tage die Produktion einstellen. Zu diesem Anschlag bekannte sich eine Gruppierung, die sich selbst als Vulkangruppe bezeichnete.


Die Bundesanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen verfassungsfeindlicher Sabotage ein.

Der aktuelle Vorfall hat eine Diskussion über die Sicherheit kritischer Infrastruktur ausgelöst. Experten verweisen auf die Verwundbarkeit der Energieversorgung in der Hauptstadtregion. Berlin ist in hohem Maß von importierten Ressourcen abhängig. Bereits im Sommer hatten Fachleute auf bestehende Risiken hingewiesen und auf die Gefahr hingedeutet, dass öffentlich zugängliche Informationen über Versorgungsnetze von potenziellen Tätern genutzt werden könnten.


Zur Prävention werden verschiedene Maßnahmen diskutiert. Dazu gehören zusätzliche physische Absicherungen wie Zäune oder Überwachungskameras, der Einsatz digitaler Erkennungssysteme sowie eine engere Abstimmung zwischen Netzbetreibern und Sicherheitsbehörden. Vertreter von Energieversorgern weisen allerdings auf hohe Kosten und langen Planungsaufwand hin.


Die Polizei sucht nach Zeugen, die in der Nacht verdächtige Beobachtungen im Bereich Königsheider Weg gemacht haben. Hinweise können beim Landeskriminalamt eingereicht werden. Die Auswertung von Überwachungskameras in der Umgebung ist Teil der Ermittlungen. Ergebnisse liegen bislang nicht vor.


Der Stromausfall betraf nach Angaben der Feuerwehr mehr als 100.000 Menschen. Viele Einwohner berichteten von ausgefallenen Heizungen, Kühlschränken und Warmwassersystemen. Schulen und Kitas im betroffenen Gebiet stellten den Betrieb ein oder mussten den Unterricht abbrechen. Auch Einzelhändler blieben geschlossen, weil Kassensysteme nicht funktionierten.


Die Stadtverwaltung richtete eine Koordinierungsstelle ein, um Maßnahmen zwischen Netzbetreibern, Rettungsdiensten und Polizei abzustimmen. Hilfsorganisationen wie das Technische Hilfswerk unterstützten mit Notstromaggregaten in besonders kritischen Einrichtungen.


Die Ermittlungen zu den Hintergründen dauern an. Die Polizei geht von einer politisch motivierten Tat aus. Ob es sich bei den Tätern um eine bekannte Gruppierung handelt, ist noch unklar. Der Vorfall gilt als einer der schwersten Angriffe auf die Energieversorgung Berlins seit Jahren.


Quellenliste


  • Tagesspiegel

  • Zeit Online

  • Spiegel Online

  • Frankfurter Rundschau

  • Welt Online

  • Süddeutsche Zeitung

  • RBB24

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