Das enfant terrible vom Potomac

EMET-NEWS-PRESS - 13.07.2018 - RICHARD KRAUSS

Trump hat das NATO meeting aufgemischt, so scheint es zu- mindest. Er bestimmt die Agenda und ebenso die Schlagzeilen. Ist es zutreffend, dass seine Gesprächspartner ihm auf Gedeih und Verderb ausgliefert sind ? 

Wenn Donald Trump das Rampenlicht betritt, ist Kurzweiligkeit garantiert. Takt, Anstand, Selbstachtung und Diplomatie scheinen für ihn keine Bedeutung zu haben.  Dem Beobachter geht es gelegentlich wie bei einem Auftritt von Kinski. Man darf sich sicher sein, das nichts so sein wird wie es geplant ist und alle Beteiligten dürfen sich in ihren Befürchtungen sicher sein, dass es schlimmer kommt als angenommen.  Provokation und Unberechenbarkeit als Markenkern.

Max Giermann alias Kinski

Zwischenzeitlich gibt  es keine Überraschungen mehr, denn das Verhaltensmuster ist bekannt. Alles was bisher gegolten hat, ist Schall und Rauch. Es exisiteirt keine Verlässlichkeit, Kontinuität steht nicht auf der persönlichen Agenda Trumps. Im Gegenteil. 

 

Das irrationale Verhaltensmuster von Trump wiederholt sich. Zerschlagung von bestehenden Allianzen und Verbünden mit dem Ziel  jeden Einzelnen  sich gesondert vorknöpfen zu können. Internationale, globale Vereinbarungen und Zusammenschlüsse  (WHO, NATO,WTO,EU ) gelten als ausgemachtes Angriffsziel. 

Wäre Trump, der Staatspräsident von Zamunda, dann könnten sich alle Akteure auf das Tagesgeschäft konzentrieren. Bei Trump sieht die Sache anders aus. Er agiert als Repräsentant einer bedeutenden Nation. Ausgestattet mit Macht und Befugnissen, die mit Verantwortung und Weitsicht einhergehen sollte. Dass es nicht so ist, offenbart sich täglich in Tweets und anderen pubertär anmutenden Verlautbarungen.

"Auf einen groben Klotz, gehört ein grober Keil" , ein bekanntes Sprichwort. Emotional geleitet und damit abseits jeglicher Rationalität.

 

Es ist gut zu beobachten, daß Trumps Gesprächspartner wiederholt in diese Falle tappen.  Was wäre passiert, wenn die Äußerungen von Trump mit der Bemerkung quittiert worden wäre " Mr. President, danke, daß sie sich über diesen Punkt Gedanken gemacht haben."   Punkt. Was wäre passiert ?

 

Es war von Anfang an klar, dass Trump einen NATO Austritt auf eigene Kappe nicht realisiseren kann. Das mag ihn auch ein wenig aus der nicht vorhandenen Contenance gebracht haben. 

War es klug - in der  Öffentlichkeit  - und vielleicht auch hinter verschlossenen Türen einen devoten Bückling zu machen ? Wasser auf die Mühlen und Bestätigung für Trump.

Auf Augenhöhe miteinander zu sprechen und wenn möglich zu verhandeln setzt voraus, dass alle Beteiligten am Tisch dieses Agreement akzeptieren.  Ist dem nicht so, so drängt sich die Frage auf, welchen Sinn hatte das NATO Treffen 2018 ? Trumps Positionen waren bekannt, da hätte es keines Meetings bedurft.

 

War es der masochistische Wunsch der restlichen NATO Mitglieder sich abwatschen zu lassen ?  Oder war es die "Drohung mit einem Übel" im Sinne des § 253 StGB (= Erpressung) ? 

 

Gilt es als unstrittig, daß man bei einer Erpressung die Sicherheitsbehörden einschaltet , so wird es schwieriger, wenn in diesem Fall der Ordnungshüter zum Schutzgelderpresser wird.  Verhandlungsspielraum Zero ?   

Es bedarf einer genauen Analyse und eine klugen taktischen Handelns. Wer sich die Agenda eines anderen aufdrängen lässt, emotional aus der Hüfte geschossen agiert, hat schon verloren, noch ehe er begonnen hat.

 

Ihm würde ich  einige Seminare bei Matthias Schranner ans Herz legen.

Trump macht keinen Hehl daraus,  in welcher Mission er unterwegs ist. 

 

Verwirrung stiften, Drohungen in den Raum stellen und die bisherigen Strukturen und Vereinbarungen  zu desavouiren. Er tut dies nicht ausschließlich aus schierer Dummheit und Überheblichkeit. Er tut dies um bestehende nationale und internationalen Strukturen zu beschädigen, zu neutralisieren und im Sinne einer identitären nahe stehenden Ordnung zu dienen.  Populismus eben.

 

Dass sich Kanzlerin Merkel trotz der provokativer Unflätigkeiten Trumps nicht auf dessen Stufe begeben, hat spricht für sie.  

Sind wir nun Trump und seinen Spiesgesellen ausgeliefert ? Wohl kaum.  Aristoteles hilft hier weiter: "Der Handelnde muß sich nach den Erfordernissen des Augenblicks richten, wie der Arzt , wie der Steuermann".

 

Wenn Trump einem Aneuryisma mit einer Baumsäge zu Leibe rückt, sollte das für andere Beteiligte kein Grund sein, das Skalpell zur Seite zu legen.  

Eine Partie Schach gegen einen starken intellektuellen Gegner könnte ein ausgezeichnetes Training sein.