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  • AutorenbildRichard Krauss

US-Journalist Evan Gershkovich in Russland wegen Spionage vor Gericht

Moskau – Der US-amerikanische Journalist Evan Gershkovich, der für das renommierte Wall Street Journal tätig ist, steht seit dem 26. Juni 2024 in Russland unter dem Vorwurf der Spionage vor Gericht.




Die russischen Behörden beschuldigen den 32-jährigen Reporter, geheime Informationen über ein Rüstungsunternehmen in der Region Swerdlowsk gesammelt zu haben, die eine Bedrohung für die nationale Sicherheit Russlands darstellen. Gershkovich und das Wall Street Journal weisen diese Anschuldigungen entschieden zurück und betonen, dass er lediglich seiner journalistischen Tätigkeit nachgegangen sei.


Gershkovich wurde im März 2023 während einer Recherche in Jekaterinburg festgenommen und befand sich seitdem in Untersuchungshaft, die über 14 Monate andauerte. Die Dauer dieser Untersuchungshaft sowie die harten Haftbedingungen, denen er ausgesetzt ist, unterstreichen die Schwere der Situation.


Besonders bemerkenswert ist, dass Gershkovich der erste westliche Journalist seit dem Ende des Kalten Krieges ist, der in Russland wegen Spionagevorwürfen inhaftiert wurde. Dies hebt die Bedeutung und die internationalen Implikationen des Falls hervor.


Die US-Regierung hat die Vorwürfe als unbegründet zurückgewiesen und fordert seine sofortige Freilassung. US-Präsident Joe Biden nannte die Inhaftierung des Journalisten "inakzeptabel" und einen klaren Angriff auf die Pressefreiheit. Auch internationale Organisationen wie Reporter ohne Grenzen und das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) haben die Freilassung Gershkovichs gefordert und die russische Regierung kritisiert.


Bojan Pancevski, ein Kollege von Gershkovich beim Wall Street Journal, erklärte in einem Interview mit dem Deutschlandfunk, dass die Anschuldigungen gegen Gershkovich haltlos seien. Er betonte, dass Gershkovich stets nach höchsten professionellen Standards gearbeitet habe. Die Vorwürfe seien offensichtlich dazu gedacht, andere Journalisten abzuschrecken, die kritisch über Russland berichten wollen.


Das Wall Street Journal hat wiederholt die Freilassung von Gershkovich gefordert und betont, dass seine Arbeit im Einklang mit internationalen journalistischen Standards steht. Die Zeitung hat eine umfangreiche Kampagne gestartet, um auf den Fall aufmerksam zu machen, und erhält Unterstützung von verschiedenen Medienorganisationen und Menschenrechtsgruppen weltweit. In einer Stellungnahme betont das Wall Street Journal, dass Gershkovich ein gewissenhafter und engagierter Journalist sei und die gegen ihn erhobenen Vorwürfe völlig unbegründet seien.


Die Festnahme und der Prozess gegen Gershkovich haben die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen den USA und Russland weiter verschärft. Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich bereits für einen möglichen Gefangenenaustausch ausgesprochen, der Gershkovich einschließen könnte. Dieser Schritt wird als Teil der diplomatischen Verhandlungen gesehen, die intensiv genutzt werden, um eine Lösung zu finden.


Ein weiterer Aspekt, der in diesem Zusammenhang von Bedeutung ist, betrifft den "Tiergartenmörder" Vadim Krasikov in Deutschland. Es wird spekuliert, dass Russland den Fall Gershkovich als Druckmittel nutzen könnte, um Einfluss auf die Verhandlungen über Krasikov auszuüben, der in Deutschland inhaftiert ist.


Russland steht seit langem in der Kritik, unabhängige und kritische Journalisten zu unterdrücken. Die Verhaftung Gershkovichs wird als weiteres Beispiel für die Einschränkung der Pressefreiheit in Russland gesehen. Beobachter befürchten, dass der Fall abschreckende Auswirkungen auf andere ausländische Journalisten haben könnte, die aus Russland berichten.


Die internationale Gemeinschaft verfolgt den Prozess gegen Evan Gershkovich mit großer Aufmerksamkeit. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Fall entwickelt und welche Auswirkungen er auf die Pressefreiheit und die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Russland haben wird. Gershkovichs Kollegen und Unterstützer weltweit hoffen auf seine baldige Freilassung und seine Rückkehr zu seiner wichtigen Arbeit als Journalist.


Dossier: Evan Gershkovich


Evan Gershkovich ist ein amerikanischer Journalist, der sich durch seine tiefgehende Berichterstattung über Russland und seine politische sowie wirtschaftliche Landschaft einen Namen gemacht hat. Geboren am 26. Oktober 1991, absolvierte er sein Philosophiestudium am Bowdoin College und beherrscht neben Englisch auch fließend Russisch.


Gershkovich begann seine journalistische Laufbahn bei renommierten Publikationen wie der New York Times und der Moscow Times, bevor er als Reporter für das Wall Street Journal tätig wurde. Dort zeichnete er sich durch seine investigative Berichterstattung aus, insbesondere über die Auswirkungen internationaler Sanktionen auf die russische Wirtschaft und die komplexen politischen Dynamiken im Land.


Zu seinen bedeutendsten Arbeiten zählt die Berichterstattung über die Annexion der Krim, die russische Einmischung in die US-Wahlen und den fortwährenden Konflikt in der Ukraine. Seine Vor-Ort-Reportagen während kritischer Momente der russischen Politik und internationalen Beziehungen haben ihm hohes Ansehen eingebracht.


Am 29. März 2023 wurde Gershkovich von russischen Behörden unter Spionagevorwürfen festgenommen. Die Anklage nach Artikel 276 des russischen Strafgesetzbuches löste weltweit Empörung aus und wurde von internationalen Medienorganisationen und Menschenrechtsgruppen als Vergeltungsmaßnahme gegen westliche Journalisten verurteilt.

Die US-Regierung, das Wall Street Journal und zahlreiche Journalistenverbände fordern seither seine sofortige Freilassung. Eine internationale Kampagne wurde gestartet, um seine Freiheit zu erwirken und auf die Bedeutung der Pressefreiheit sowie den Schutz von Journalisten hinzuweisen.


Am 26.6.2024 begann der Prozess unter Ausschluß der Öffentlichkeit.

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