Im Fokus der Macht

EMET-NEWS-PRESS - 13.05.2015  - RICHARD KRAUSS


Wer erinnert sich nicht an die SPIEGEL Affäre längst vergangener Zeiten. Ein Politiker namens Strauss fummelte unter dem Tisch mit dem Diktator Franco um kritische Journalisten mundtot zu machen. Die Folgen sind bekannt, der öffentliche Aufschrei und die Empörung war groß. Heute, wenn Redaktionsräume von Zeitungen oder Online Medien durchsucht werden, der MAD gebeten wird, den einen oder anderen Journalisten im Auge zu behalten, dann wird das zumeist miteinem Achselzucken und einem "na wenn schon quittiert".

 

Da juckt es niemanden, wenn Journalisten weltweit gejagt, bespitzelt, verhaftet und in ihrer Tätigkeit massiv behindert werden und dabei auch
zu Tode kommen. Ganz selbstverständlich lesen wir Nachrichten, führen uns Fernsehbeiträge zu Gemüte oder geistern durch die Online Portale im Internet und finden das ganz toll.

 

Unabhängig unter welchen Gefahren oder sonstigen Umständen diese Beiträge zustande gekommen sind. News, Reportage, Nachrichten, Tickermeldungen werden konsumiert - wie Fastfood. Regierungen, Diktatoren, demokratisch gewählte Staatsdiener, Wirtschaftsbosse, Konzerne und Organisationen behalten dies sehr sorgfältig im Auge. Sie sind sich der Folgen einer substantiellen und kritischen Berichterstattung bewusst und fürchten, dass ihr Handeln beachtet, beobachtet, bewertet, darüber berichtet wird und das daraus gravierende Konsequenzen für sie resultieren.

 

Konsequenzen, bei denen sie sich zuweilen in ihrem Handeln, in ihrer Positionierung in ihrer öffentlichen Wahrnehmung und in ihrer täglichen Arbeit um Macht und Deutungshoheit behindert sehen und sich rechtfertigen müssen. Um dies im Griff zu behalten, werden hervorragend geschulte
PR Strategen mit der Sprachpräzision einer unreifen Kiwi oder Pressemappen mit der relativen Aussagekraft einer mittelfristigen Wettervorhersage in der Hoffnung in Umlauf gebracht, die eigenen Texte, in welcher Form auch immer, am nächsten Morgen in der Headline wiederzufinden.


Funktioniert dieses Prinzip von Geben und Nehmen dann ist alles im Lot. Funktioniert es aber nicht, dann, ja dann kann und wird es für die Beteiligten unangenehm werden. Wenn sich "Verantwortliche in Politik und Wirtschaft" in ihrer Sonntagsruhe gestört fühlen, da greift schon mal ein Bundespräsident zum Hörer oder ein Beamter versucht im Auftrag Dritter Nachrichtendienste oder die Polizei vor den eigenen Karren zu spannen.

Diese Verantwortlichen scheuen - es sei denn es nützt ihnen - das Licht der Öffentlichkeit, wie der Teufel das Weihwasser. War dies in der Vergangenheit eher ein zeitweiliges Phänomen, so ist in letzten Jahren zunehmend zu
beobachten, dass Journalisten, Medienvertreter und Verlage im Zuge der Staatsraison unter Druck
gesetzt werden und diese Mechanismen der massiven Behinderung und Einschränkung der Pressefreiheit zunehmend in der Gesetzgebung Eingang finden.


Im Zuge des Quellenschutzes werden Journalisten immer mehr gezwungen konspirativ zu recherchieren und geraten dabei erst Recht in den Fokus interessierter Kreise. Ganz nach dem Motto, "greifst du dir ein Thema heraus, mit dem wir nicht einverstanden sind, oder das uns suspekt
erscheint, so hat das Konsequenzen für dich. Nein , gar nie nicht werden wir dir öffentlich 0nachweisbar drohen und nein gar nie nicht wird der BND im Inland recherchieren, darf er ja nicht...
und Journalisten abhören, unter keinen Umständen. " Die Fakten sprechen eine andere Sprache.

Mittlerweile gibt es internationale Rechercheverbunde von Journalisten, die sich ihrer Verantwortung als fünfte Macht im Staate und auch global betrachtet bewusst sind. Und das ist gut
so.
Wer unliebsame Berichterstattung behindern oder verhindern will, sollte nicht Journalistinnen und Journalisten zum Zielobjekt machen, sondern sein eignes Handeln überdenken. Es ist nur eine Frage der Zeit und eine Frage der sorgfältigen und diskreten Recherche, bis das eine oder andere Unkraut
das Licht der Welt erblickt und zum Bumerang für die Akteure wird.

 

Dies den Journalistinnen und Journalisten anzukreiden hieße, Ursache und Wirkung zu verdrehen. Aus diesem Grund ist die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten essentiell für eine funktionierende Demokratie.

Ihre Arbeit zu würdigen, sie in Ihrem verantwortungsvollen Handeln
und auch unabhängigen Handeln zu unterstützen, ist die Aufgabe aller, die sich den Werten der Demokratie und damit auch der Pressefreiheit verpflichtet fühlen