Erdogans Faustpfand 

EMET-NEWS-PRESS - 29.07.2015 - RICHARD KRAUSS


Pragmatismus, Sachzwänge, geopolitische Notwendigkeiten und ein endloser Spagat beschreiben die gegenwärtige Situation im Osten der Türkei. In der Allianz sind sich alle einig, dass dem Terror der IS Einhalt zu gebieten ist. Und nicht erst seit gestern sind im Osten des NATO Mitglieds Türkei Patriot Systeme stationiert um die syrischen Machthaber vor unbedachten Handlungen abzuhalten.

 

Und das ist im Hinblick auf den Beistandspakt der NATO gegenüber der Türkei auch in Ordnung.Nach dem Bombenattentat durch die IS der vergangenen Tagen in der Türkei , positioniert sichErdogan neu und verbindet das Notwendige - dem Kampf gegen die IS - mit dem scheinbarNützlichen - einer gewalttätigen Abrechnung gegen kurdische Siedlung im Norden Syriens.


Zähneknirschend und mit quälendem Verständnis bedankt sich das State Department für die Nutzung der Incirlik Airbase im Kampf gegen die Barbaren der IS . Die mahnenden Worte aus den europäischen Hauptstädten sind der öffentlichen Wahrnehmung als moralisches Alibi geschuldet. Der Kollateralschaden "Kurden" wird dabei billigend in Kauf genommen.

 

Erdogan war sich dieses Jokers wohl bewusst und hat auf den richtigen Moment gewartet diese Karte zu spielen. Langfristig muss sich die NATO wohl überlegen, ob die Türkei als Stützpfeiler im Kampf für Demokratie und gegen den IS Terror ein glaubwürdiger Sympathieträger ist.

 

Wo gehobelt wird, fallen Späne, das ist
wohl richtig. Doch der Preis der hierfür bezahlt werden muss, könnte langfristig zu hoch sein.