Der Anschlag von Halle - die braune Saat der Demagogen 

 

EMET-NEWS-PRESS - 10.10.2019 - RICHARD KRAUSS

Bestürzung und Betroffenheit, sowie die Zusage nach einer sorgfältigen Aufarbeitung"der Ereignisse" von Halle, bestimmen die Reaktionen auf den verabscheuungswürdigen Anschlag. Können Juden in Deutschland noch sicher leben?" Bis heute Morgen, hätte ich noch ja gesagt", so der Zentralratsvorsitzende der Juden Joseph Schuster in einem Interview.

Eine sehr freundliche und wohlwollende Einschätzung des Zentralratsvorsitzenden. Tatsache ist, daß in Deutschland Antisemitismus und Rassismus so anwesend sind, wie Sauerstoff in der Luft. Offen, kaschiert, relativierend und billigend in Kauf genommen. Neu ist das Thema nicht. Globke, Filbinger, Felfe, Gehlen und ihre  Spießgesellen waren die Testamentsvollstrecker der menschenverachtenden Ideologie des Nationalsozialismus, die zur barbarischen Ermordung  von über  sechs Millionen Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, Behinderten und poltischen Gegnern geführt hat. 

 

Sie haben dafür Sorge getragen, daß die braune Jauchegrube nicht austrocknet. Neu ist hingegen die Erscheinungsform in der Gegenwart. Waren es einst die "ewig Gestrigen" und die Glatzköpfe mit Springerstiefel, so erleben wir heute eine die Gesellschaft infiltrierende, manipulierende und polarisierende  Vorgehensweise.  Es sind Figuren wie Höcke, Weidel und Gauland, die Identitären, die Demagogen, die weit über die Grenzen Hamelns mit ihrer Flöte unterwegs sind, um den "Vogelschiß" der Geschichte zu proklamieren.

 

Sie erzeugen ein Klima von Hass und Häme, spalten die Gesellschaft und destabilisieren so die freiheitlich demokratische Grundordnung unseres Staates. Wozu führt das? Zu Rassismus, Antisemitismus, Intoleranz, Häme, Spott, Hass, die Verächtlichmachung anders Denkender, die Diskreditierung einer liberalen und offenen Gesellschaft mit Pluralismus und gegenseitiger Wertschätzung. Man mag es naiv nennen. Sehr gerne.

Es ekelt mich an zu sehen, wenn Menschen auch auf Grund ihrer Religionszugehörigkeit verfolgt, gedemütigt, angespuckt, verletzt und gejagt werden.  Sie werden Opfer von Terroranschlägen und müssen nicht erst seit der Dreyfus Affäre Tag für Tag um ihr Leben fürchten. Es ist erbärmlich, verabscheuungswürdig und durch nichts, aber auch gar nichts zu rechtfertigen. Es ist eine Schande!

Wer auch nur ein Fünkchen Selbstachtung, Takt und Anstand besitzt, möge in seinem persönlichen Umfeld dafür Sorge tragen, dass Antisemitismus, Rassismus und Intoleranz keine Chance haben. Es ist die geringste Stufe der Unterstützung und Solidarisierung.

"Eine verlogene Ethik hat das Wissen um Wahrhaftigkeit und Rechtlichkeit vergiftet."  Erich Mühsam, ermordet am 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg